Der LEGO® Boost ist seit gut zwei Monaten erhältlich und wir haben ihn selbstverständlich für euch getestet. Das Robotik-Set hat das große Manko, dass für den Betrieb beziehungsweise die Programmierung ein Tablet zwingend notwendig ist. Dieser Zwang stößt vielen negativ auf.

Den WeDo 2.0 gibt es schon etwas länger und auch zu diesem Set haben wir einen Testbericht verfasst. Dies soll kein Vergleich zwischen den beiden LEGO®-Robotern werden, da die beiden Zielgruppen der Robotik-Sets sehr verschieden sind. Uns geht es primär um den Boost und wir möchten euch schildern, was uns daran stört und was sich in den letzten Wochen ereignet hat.

Unser Test und der Preisverfall

Wir haben den Boost in unserem Bericht gut benotet, da wir die App für Kinder sehr gut finden. Sie ist didaktisch durchdacht und erklärt auch Eltern oder Erwachsenen, die noch keine Erfahrungen in Punkto Programmieren haben, schnell und einfach die wichtigsten Funktionen mit dem Roboter. Was wir jedoch in unserem Test ebenfalls bemängelt haben, ist, dass der Boost zwingend ein Tablet benötigt. Welche Tablets kompatibel sind, solltet ihr vor dem Kauf auf der LEGO®-Boost Gerätehinweisseite nachsehen. Das dieser Punkt ein Fallstrick für den Boost ist, haben wir erahnt. Das Ausmaß haben wir allerdings unterschätzt.

Anfang vorletzte Woche war der Boost deutlich im Preis gefallen und auch die Sternbenotung bei den gängigen Shops spricht Bände. Genervte Kunden geben zum Teil Ein-Stern-Bewertungen ab. Nicht nur der Zwang zum Tablet wird bemängelt, sondern auch die Tatsache, dass die App zum Programmieren nicht auf allen Tablets läuft. Der Boost ist mit einer UVP von 159,95€ auf den Markt gekommen. In den Letzen Wochen haben wir beobachtet, wie der Boost teilweise stark reduziert war. Bei Toys’r’Us® kostete der Boost zwischenzeitig 139,99€. Inzwischen ist der Preis bei einigen Shops wieder bei 150€ angekommen.

Der Hauptgrund für die Unzufriedenheit vieler Käufer ist größtenteils, dass der Boost ausschließlich mit Tablets funktioniert. Zur Auswahl standen zum Release nur die bekannten Vertreter Apple oder Android zur Verfügung. Doch auch hier gab es Einschränkungen, da der Boost nur mit dem Bluetooth-Standard 4.1 Low Power kompatibel ist. Somit ist mindesten ein iPad 4 nötig oder ein Android Tablet mit diesem Bluetooth-Standard und Android 5.0 oder höher. Dies hat LEGO® allem Anschein nach für zu viele Käufer nicht klar genug kommuniziert. Da es aktuell keine App für Smartphones gibt, stellt sich die Frage wer hat denn alles aktuell ein kompatibles Tablet?

LEGO® unter Druck

Unserer Meinung nach war und ist LEGO® im Zugzwang, da der Boost nicht so gut anzukommen scheint, wie erhofft. Wahrscheinlich wurde deswegen die Boost App auch für die neuen Amazon Fire Tablets veröffentlicht. Diese haben im Grunde auch Android als Betriebssystem, jedoch in einer von Amazon sehr stark angepassten Version. Der WeDo 2.0 macht das deutlich besser, denn es gibt die Software auch für Windows als App-Versionen für Windows 10 und Windows 8. Dies ist ein klarer Pluspunkt für LEGO® Education.

In großer Schrift verspricht LEGO® nun auf der Produktseite vom Boost eine Smartphone App noch vor Weihnachten nachzuliefern. Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn ein neues Smartphone kauft man sich öfter als ein Tablet, trotzdem wird hier sehr wahrscheinlich auch Bluetooth 4.1 benötigt. Dazu dürfte, wie bei den Tablets, mindestens iOS 10.3 oder Android 5.0 erforderlich sein. Dies schränkt unter Umständen den ein oder anderen Kunden immer noch ein.

Trotzdem begrüßen wir diesen Schritt in die richtige Richtung. Unserer Meinung nach ist eine Desktop-Anwendung Windows und macOS dennoch Pflicht, um alle Kunden erreichen zu können. Tablets sind zwar verbreitet, aber nicht jeder kann oder will ein (neues) Tablet zu dem LEGO® Boost kaufen.

Zwischenfazit

Wir finden den Boost wirklich gut gemacht. Jedoch haben wir von Anfang an Zweifel gehabt und bemängelt, ob ein Tablet Voraussetzung sein sollte, um den Boost nutzen zu können. Die Ereignisse der Letzten Wochen zeigen uns, dass auch die Kunden nicht bereit sind ein Tablet nur für den Boost zu kaufen. Es wäre wünschenswert, wenn LEGO® daraus lernt und der Boost vielleicht auch eine App oder Anwendung für Windows und macOS bekommt.

Update vom 30. November 2017

Es haben sich nun ein paar Sachen seitens LEGO ergeben, die wir sehr begrüßen und euch nicht vorenthalten möchten. Zum einen hat LEGO auf der Webseite für die Gerätehinweise zum Boost deutlich mehr Geräte getestet und bietet eine Liste an, welche Tablets mit dem Boost kompatibel sind. Des weitern hat LEGO eine Windows 10 App veröffentlicht was uns sehr erfreut denn so ist jeder Laptop mit Bluetooth 4.1 nutzbar. Die Informationen auf der Webseite wurden ebenfalls angepasst, wie der nachfolgende Screenshot zeigt.

Die Windows 10 App ist zwar für Tablets optimiert, läuft aber auf jedem Windows 10 Laptop oder PC. Wichtig ist nur, dass das Gerät Bluetooth 4.1 Low Energie unterstützt. Dies kann notfalls mit einem einfachen USB Bluetooth Stick nachgerüstet werden. Die unten stehende Auflistung zeigt drei Modelle, mit denen wir eine Verbindung erfolgreich getestet haben. Die Storebewertungen für die App sind recht durchwachsen. In unserem Test sind keine großen Probleme aufgefallen. Einen kleinen Makel haben wir in der App jedoch gefunden: Es lässt sich die Sprache, in der der Boost mit euch spricht, nicht auf Deutsch wie in der iOS App umstellen. Wenn „Deutsch“ in den Einstellungen ausgewählt wird, ändern sich aber alle Bedienelemente wie gewünscht.

Update vom 24. Dezember 2017: Das eingehaltene Versprechen

LEGO® hatte versprochen, noch vor Weihnachten eine Smartphone App zu liefern und dieses Versprechen eingehalten. Seit dem 19. Dezember ist die Smartphone App für iOS und Android kostenlos in den jeweiligen App-Stores erhältlich. Die Apps wurden, wo es nötig war, auf kleine Display angepasst. In unserem ersten, kurzen Test machen die Apps einen guten Eindruck. Jedoch sind die Storebewertungen durchwachsen. Dies liegt vielleicht an den letzten Monaten, in denen die LEGO® Boost Apps nur für Tablets verfügbar und dazu mit vielen Geräten inkompatibel waren.

Uns erfreut es insgesamt sehr, dass LEGO® die Problematik erkannt und entsprechend reagiert hat. Mit dieser Plattformvielfalt können wir den Boost auch deutlich mehr empfehlen auch wenn der WeDo 2.0 zusätzlich noch mit ChromeOS und macOS immer noch ein bisschen breiter aufgestellt ist.